Google+ Hardboiled SCB: Furkopf der Woche - Die Schuldzuweisungen an Einzelspieler in einem Mannschaftssport

Sonntag, 13. November 2016

Furkopf der Woche - Die Schuldzuweisungen an Einzelspieler in einem Mannschaftssport

Ja, langsam nervt es doch wieder gewaltig. Es geht nicht um unseren Verein, denn wir machen im Moment alles richtig. Es geht vielmehr um die Krisenklubs, wo viele Schreiberlinge dann wie besessen auf der Suche nach einem Schuldigen sind. Eigentlich ist das unerträglich, denn wie viele andere Sportarten ist Eishockey ein Mannschaftsport, wo 23 Spieler auf dem Matchblatt stehen. Es gibt Spiele, die durch grobe individuelle Fehler entschieden werden, aber wenn man sich die Geschichte des Spiels anschaut, passieren auf jedem Metern des Spielfelds Fehler. Ohne Fehler würde jedes Spiel 0:0 enden. Es gibt vermeidbarere Fehler und provozierte Fehler, aber wenn man dann für einen schlechte Tabellenposition sich nur auf einen Spieler einschiesst, tritt das den Sportgeist mit den Füssen.

Nehmen wir das Beispiel der Piller. Die Euphorie war gross als der Jonas Hiller seinen sinkenden Stern in der NHL in Biel vergolden wollte. Biel ist richtigerweise darauf eingestiegen, da man so einen Goalie nicht alle Tage kriegt. Der Saisonstart war gut, Hiller hexte, die Mannschaft war sehr hoch platziert. Offenbar etwas zu hoch, denn es wurde ein paar Spielern schwindlig. Dass jetzt aber Hiller als "Problem" angeschaut wird, darf eigentlich fast nicht wahr sein. Wenn man sich die Spiele zu Beginn der Saison anschaut und mit denen von jetzt vergleicht, fällt eines auf: Die Piller hatten es zu Beginn vor Hiller relativ gut im Griff und spielten so, dass ein alter NHL-Goalie sein Ross satteln konnte. Seit diversen Spielen stehen aber die 5 (nicht nur die Abwehr) Jungs auf dem Eis umher und laden die Gegner förmlich zum Toreschiessen ein. Abspielfehler, verlorene Zweikämpfe und schlechtes Backchecking führen dazu, dass der Gegner aus nächster Nähe vor dem Jonas steht und einnetzen kann. Auch ein NHL-Mann kann nicht 4 Nachschüsse aus 4 Winkeln in 0.2 Sekunden abwehren. Schuld an dieser Misere sind ALLE. Der weinende Kevin müsste da schon mal den Hebel ansetzten, die Spieler müssen sich da schon mal am eigenen Riemen reissen. Aber den Goalie anzuprangern, kann da nur ein Witz sein.

Oder dann nehmen wir Lugagel. Natürlich kaufen sie jedes Jahr mit offenem Geldseckel ein und haben von den Namen her ein geiles Kader. Dass es jetzt wiedermal nicht so gut läuft, ist nicht die Schuld von Lapierre. Der spielt zwar die reine Scheisse, grinst dauernd und bringt dem Team im Vergleich mit dem Rotbarsch nichts. Aber wer kauft dann solche Blindgänger ein? Lapierre sich selber? Nö. Und wer setzt den Steinkopf dann dauernd ein? Lapierre sich selber? Nö. Für das Spass- und Hobbyhockey ist ein Trainer verantwortlich, der sein Team mit seiner rotköpfigen Art nicht im Griff hat. Dann sind zu viele überbezahlte Spieler im Team, die wenig bringen. Ich denke da an Brunner, der gegen uns weniger gute Szenen hatte als unser Youngstar Müller. Der Müller verdient aber in einem Jahr soviel wie Brunner in einem Monat. Auch hier ist es die "Mischung der flüssigen Kacke", die den dauernden Misserfolg erklärt. Nicht einzelne Dumpfbacken, die vom IQ her wohl noch gegen eine Wiese verlieren würden.

Die Beispiele sind endlos. Langnau, auch im Moment der HCD, Ambri, dann natürlich auch die Hutzenbröhne, wenn man es genau analysiert, ist es die Mischung, die in die Hosen geht. Läge es nur an einem Spieler, könnte man das Problem ja schnell lösen, in dem man das Manndli zum Klub rausschmeisst und man danach sofort Meister wird. Ich erwarte von Profis schon etwas seriösere Abklärungen als dieses "Einzelzusammenscheissen mit reisserischen Schlagzeilen". Aber das gibt halt Klicks im Web.

Wir in Bern wissen: wir haben geile Jungs, die ihren Job erledigen, die gemeinsam gewinnen und auch ab und zu mal, auch wenn es schon lange her ist, gemeinsam verlieren.

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