Google+ Hardboiled SCB: Weiterbildung: Woher kommt Sprungers Kosename "Schüschu"?

Samstag, 19. September 2015

Weiterbildung: Woher kommt Sprungers Kosename "Schüschu"?

In ein paar Stunden steigt also das Gipfeltreffen in Fribourg. Zumindest wenn man ihre Plazierung anschaut, wir sind da eher noch in der Mittelstation. Es wird Emotionen geben, ich tippe mal auch darauf, dass wir wieder viele Strafen fressen müssen und es ein sehr sehr hartes Stück Arbeit wird, um Punkte zu holen.

Nebenbei wurde ich oft gefragt, wieso man in Fribourg dem Sprunger Julian denn "Schüschu" sagt. Nun, auch wenn es komisch tönt, es ist ein sogenannter "Kosenamen" für den Buben. Kosename werden unter Personen vergeben, die in einer engen Beziehung zueinander stehen. Das kennt ihr auch, man hört Kosenamen ja dauernd, mein Nachbar sagt seiner Frau zum Beispiel "Ofenrohr", sie hingegen ruft ihn herzig "Nuttensohn". Damit ist der Name "Schüschu" mal begründet. Ein Kosename also, Sprunger wird seit klein auf so gerufen und seine Mutter hat versprochen damit aufzuhören, wenn Julian aus der Pubertät kommt.

Was bedeutet aber "Schüschu" nun genau? Als Kosename kann man ja nicht einfach Buchstaben aneinander reihen ohne Sinn und Sache. Also habe ich mich kurz auf die Suche gemacht und bin tatsächlich fündig geworden.

"Schüschu" ist ein altberner (!) Wort, das nach offiziellen Aufzeichnungen im 13 Jahrhundert rege gebraucht wurde. Es verschwand dann vor ungefähr 300 Jahren aus unserem Sprachgebrauch, weil man viel schönere Wörter als Ersatz gefunden hatte. "Schüschu" bedeutet in der historischen Berner Sprache ungefähr "unförmiger, von Akne übersähter Hintern, der in der Lage ist, durch Windgang eine ganze Ortschaft zum Kotzen zu bringen". Das Wort wurde aber auch wie ein Verb gebraucht. Wenn jemand sehr übel roch, bürgerte sich schnell ein, dass man sagte "er schüschut wie ein toter Fisch". Ebenfalls üblich war bei Kleinkindern, wenn sie zum ersten Mal auf dem Scheisshafen ein grosses Geschäft machten, dass sie dann aufstanden und "Schüschu" riefen. Danach kam dann in der Nacht die Stuhlfee, die dem glücklich schlafenden Kind den vollen Hafen unters Kissen legte. Traditionen halt!

Ich möchte mich beim naturhistorischen Museum in Bern bedanken, die mir diese Recherche erst ermöglich haben. Aber ich tue alles, damit ich Euch mit wichtigen Infos vor wichtigen Spielen volllabern kann. Julian Sprunger war leider zu keiner Stellungnahme bereit, da er gerade in der Klavierstunde war.


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