Google+ Hardboiled SCB: Biografie - Kapitel 8

Montag, 19. Mai 2014

Biografie - Kapitel 8

Meine persönlichen Sünden - Abfallsack in Lugano 1996

Das ist das Original
Für den zweitgrössten persönlichen Skandal ever darf ich eine Auswärtsfahrt nach Lugano auszeichnen. Wir alle kennen den eher mühsamen und langen Weg nach Afrika. Logo, dass bereits auf der 4-stündigen Fahrt eine Menge Koholi in deine Kehle rinnt, klare Sache. Die Party war wirklich gut, die Leute gut drauf, guter Sound, so wie es eben sein muss. Der Car war, wie immer wenn es so weit ging, grob gefüllt mit Bier. Allerdings nahm die Menge von Kilometer zu Kilometer dramatisch ab, was sich dann auch in meinem Zustand wiederspiegelte. Oder einfach gesagt: Bereits als wir in Lugano ankamen, war ich breit wie Emma. Kennsch es?

Also hinein in die Resega, das Stadion, dass den Charme einer billigen Einstellhalle in einem Plattenhochhaus versprüht. Aber egal, die Laune war ja ballermannmässig gut, ich macht mich auf in Richtung Berner Kurve. Wie üblich interessierte mich das Einspielen ganz und gar nicht, also stach man an den extra für die Gastfans eingerichteten Verkaufsstand. Der ist in den Katakomben, einen hängenden TV oder so gab es nicht, man war also quasi weg vom Spiel. Egal, es war ja erst das Einspielen angesagt. Wir soffen ein paar leckere Bierchen, die Stimmung stieg noch mehr, der Pegel logo auch. Dann passierte, rund 10 Minuten vor Spielbeginn, das völlig Unerwartete. Der Serviermann sagte plötzlich "ehhh, bernesi molto sympatica" oder so ähnlich. Ich dachte "was will der denn jetzt?". Ich antwortete ihm mit "fare merda con schleim", also Schleimscheisser. Er lachte der Alberto, er sah aus wie ein Gigolo aus Jesolo der als Hobby hat dass er 140 kg käsighäutige deutsche Frauen abschleppt und dafür Geld nimmt. Er wollte es uns beweisen und WUMM, da stellte der Eseff uns eine 1 Liter-Flasche mit Pfefferminz-Grappa auf die Theke und deutete an, dass wir die trinken dürfen. GRATIS. Oh wie toll, da alle Leute inzwischen in der Kurve standen, waren nur noch Stew und ich an der Theke.

Nun gut, einem geschenkten Schnaps schaut man nicht ins Maul, OK, wir begannen das Teil scheu und zart zu trinken. Es machte unheimlich Spass, vor allem weil es gratis war. OK, das Spiel hatte begonnen, aber es war noch so viel Schnaps übrig, man soll sich beim Trinken ja nicht beeilen. Klar, langsam aber sicher wurde ich besoffen ohne Ende, Stew zischte ab und zu rein und ging ein paar Minuten vom Spiel schauen, in dieser Zeit lötete ich einfach weiter. Ich bestellte billige Cafi, leerte das Halbe in den Abfalleimer um das Teil dann mit Pfefferminz-Grappa zu füllen. Schmeckte widerlich, machte aber unglaublich besoffen. Die folgenden Schilderungen sind, wie immer wenn ich klatsch war, eine Mischung aus Bruchstücken meiner Erinnerungen, Aussagen von Zeugen und Protokolle der NSA.

Ich hatte bald ein Problem. Das Spiel war fertig, das realisierte ich noch knapp, doch nun ginge es ja darum, möglichst zügig zum Car zu laufen damit der wegfahren konnte. Das ist in Lugano so, ihr kennt es sicher, sonst erfolgen Angriffe der Curva-Mannen, die sich meistens ja noch mit fussballerisch begabten Mailändern ausrüsteten. Mein Hirn gab den Abmarschbefehl, doch irgendwie war die Verbindung beim Bauchnabel unterbrochen. Meine Beine gehorchten mir nicht mehr. Also blieb ich an der Bar stehen, des Risikos voll bewusst das mein Car in ein paar Minuten ohne mich nach Hause zischt. Aber es ging einfach nicht, ich konnte nicht mehr gehen. Zu meinem Glück erschien dann Stew, der hat mich gesucht, logo, wir hatten ja auch zusammen gesoffen. Er war relativ entsetzt über meinen Zustand, packte mich aber wie in einem Kriegsfilm die Verletzten gepackt werden die noch knapp laufen können weil sie einen Brustschuss haben oder so. Es war eine Saupüuetz für Stew, pro Schritt nach vorne gingen wir 3 Schritte links und wieder einen halben zurück. Es dauerte ewig, bis wir in Sichtweite des Cars kamen. Stew hatte dem Chauffeur gesagt er solle warten, er hole mich.

Doch dann folgte das wohl krasseste Problem. 50 Meter vor unserem Car hatte sich ein herziger Mob von Lugagels gebildet. Nein, die wollten uns nicht zujubeln, die wollten attackieren. Stew musste mit mir besoffenem Stück Grappa mitten durch diesen Mob marschieren. Ganz herrlich, hätten die uns attackiert ... OK, mit tief Ausatmen hätte ich ungefähr die Hälfte erledigen können. Aber es war natürlich Horror, dort durchzugehen. Vor allem lallte ich, nur wenige Meter von ihnen weg, geile Lieder wie "Pizza Pizza ha ha ha" und "Lugagel, Lugagel, Affenguler". Stew schwitze Blut. Er hielt kurz an und redete auf mich ein. "Haut itz bitte für 5 Minute die Lade, Tuni". Und - ich schaffte es! Immerhin. Wir watschelten durch den Mob durch, sie beachteten uns gar nicht heftig weil sie schon diskutierten, welcher Ziegelstein in welche Scheibe zu fliegen hat. Es war sensationell, wie Stew mich durch diese eigentlich unmögliche Situation gerettet hat. Danke nochmals!

Auf der Heimfahrt im Car war es dann witzig. Bereits nach 13 Meter Fahrt wurde mir schlecht ohne Ende. Jede Bodenwelle, jedes Bremsmanöver, jedes Beschleunigen machte Achterbahn in meinem Magen. Ich versuchte es mit schnell atmen, hecheln, doch es wurde nicht besser. Auch ein warmes Bier half nicht. Ebensowenig der Schweissausbruch, den ich nun auch noch hatte. Es musste was gehen. Migu sah, dass es bald passieren würde - Tuni wird unweigerlich den Krähen rufen. Also hoppe hoppe, sie hängten mir einen 110-Liter-Sack um den Schädel, so wie einem Ross der Habersack montiert wird. Und nun, das ist kein Quatsch sondern wahr, konnte ich 380 Kilometer weit, bis nach Hause, den Krähen rufen ohne Ende. Und das machte ich auch. Unglaublich, ich sass da bis nach Bern in unveränderter Stellung. Im Grauholz haben sie mir den Sack dann weggenommen und entsorgt. Besser ging es mir immer noch nicht.

Ausgestiegen bin ich in der Allmend. Meine Beine gehorchten mir immer noch nicht. Ich stand da wie eine Verkehrsinsel. Mein nächstes Problem war da: wie komme ich nach Hause? Doch es geschehen noch Wunder, die Lita hatte Mitleid und lud mich in ihre Karre ein. Sie war mutig, denn ich konnte kein Versprechen geben ... ihr wisst schon. Aber dann hört meine Erinnerung auf, und es gibt auch keine Zeugenaussage mehr. Ich erwachte am Sonntagnachmittag um 15.00 Uhr, Kopfweh war nur der Vorname, der Kater war so gross wie ein schwuler T-Rex. Ich musste mich beeilen, denn um 15.45 Uhr hatte der SCB ja schon wieder Match in der Allmend. Danke nochmals Lita, ich bin Dir auch nicht böse dass ich meinen Slip am Morgen verkehrt trug und einen Süggel am Hals hatte ... uha uha uha.

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