Google+ Hardboiled SCB: Biografie - Kapitel 5

Freitag, 9. Mai 2014

Biografie - Kapitel 5

Meine Bekanntschaft mit Kultfigur "Frisur"

Die Frisur raucht gut ein
Man muss ihn einfach etwas näher vorstellen den Pesche, genannt "Frisur". Für mich ist der DAS Unikum der Berner Hockey-Szene. Fast alle haben ihn sicher schon mal gesehen, viele kennen ihn von einem Smalltalk her, die man mit ihm jederzeit führen kann. Pesche, ein liebenswürdger und heissblütiger SCB-Fan, hat in meiner aktivsten Zeit als Hardcore-Groupie so viele geniale Momente beschert, dass ich Euch hier meine Bewunderung für ihn erklären möchte.

Vom sehen her kannte ich ihn schon lange, doch richtig kennengelernt habe ich Pesche 1989, als ich neu im Bäregrabe-Car auftauchte. Pesche war wie ein Hund, nicht dass er an komischen Orten rumgeschüffelt hätte, nein, aber er näherte sich sehr vorsichtig wenn er was nicht kannte, stellte dann seine erste Frage und war danach nicht mehr zu stoppen und zu toppen. Er ist ein ausgezeichneter Zuhörer, hat ein Ohr für jeden Menschen, er kann aber auch Deine Ohren brauchen und Dir zum Teil unglaubliche Storys erzählen, dass Dir die Ohren fast abfallen. Er hat pro Carfahrt für ungefähr 12'000 Lacher gesorgt, sei es durch Geschichten oder dann noch besser gleich mit Live-Ereignissen. Er liebt den Hardrock, wenn auch er ganz sicher der war, der die melodiösen Sachen bevorzugte die für andere harte Jungs dann schon fast Schlagermusik waren.

Pesche hat, wie alle Menschen, ein paar Marotten. Eine davon ist seine Abneigung gegen Tomaten. Und mit Abneigung meine ich auch Abneigung. So krass habe ich das noch nie erlebt. Nichts war da gespielt, er schrie wenn jemand mit einerm Tomatenschnitz in seine Nähe kam, er wäre aus dem fahrenden Bus gesprungen, nur damit er die Tomate nicht hätte berühren müssen. Das war krass. Bestellte er in einer Beiz irgendwas, der Nachsatz "aber bitte ohne Tomate" war immer dabei. Auch wenn er Bier bestellte. Ein paar Mal klappte es dann halt nicht, der Teller mit dem Wienerschnitzel kam und als Beilage lag eine Tomate am Rand. Pesche war ausser sich, unvergessen wie er das Teil mit einem Gabel-Hebel-Wurf durch die Beiz trieb. Danach nahm er seine Serviette und putzte den Teller inklusive Fleisch und Beilagen ab, damit ja kein Milligramm dieser Tomate in seinen Gaumen gelangen konnte. Sah geil aus wenn er das Fleisch so richtig durchputzte. Dann ist noch seine Abneigung gegen Mandarinen, er hasst den Geruch, das ging soweit dass er seine damalige Freundin nicht mehr geküsst hat wenn sie in der Firma zur Weihnachtszeit eine Mandarine verdrückt hatte. Er roch es auch Stunden später noch.

Pesche ist von entwaffnender Ehrlichkeit. Er hat keinen Probleme, einer Frau die für alle Menschen auf diesem Erdboden verbotene Frage zu stellen: "Du hast zugenommen, gell?". Pesche kennt da keine Tabus. Unvergessen ist auch sein geiler Spruch bei seinem damaligen Arbeitgeber. Er war alleine im Büro, das Telefon seiner gut 60-jährigen Chefin klingelte. Pesche nahm sich der Sache an und ging seine Chefin im Pausenraum suchen und richtete artig aus: "Frau Holzer, da war ein Telefon für sie, eine Frau, die hiess auch Holzer, wahrscheinlich ihre Schwester?". Frau Holzer korrigierte Pesche und sagte "Nein, das war meine Mutter". Pesche, absolut offen, mit 100 Dezibel und vor allem Leuten, die im Kafi waren: "Was, DIE LEBT NOCH??". Weltklasse.

Unvergessen war auch seine Geschichte als wir irgendwo am Znacht sassen. Ich weiss nicht mehr genau wo, wie gesagt, es war eine wilde Akoholzeit, Nebensächlichkeiten wie Ortschaften vergisst man halt wenn man sich dauernd beduselt. Eben, wir waren am Essen. Pesche nicht, er trank nur. Er erzählte spontan eine Geschichte. Ein bisschen Angst hatte man ja schon immer, das was aariges kommt, aber er begann mit einem Ausflug mit seinen Eltern, den Flughafen Genf hatten sie besucht. Harmlos, dachte man, das kann nicht peinlich werden. Er erzählte lachend und laut (die ganze Spunte hörte inzwischen mit) wie sie dort in dem grossen Gebäude umher spazierten. Als nach ungefähr 5 Minuten der Satz kam "und dann musst mein Vater auf die Toilette" klingelten bei mir aber dann alle Alarmglocken. Ich begann hastig mein Essen runterzuschlingen, denn es wurde gefährlich. "Mein Vater wollte auf die Toilette, hat die Türe geschlossen, doch da war es verstopft, eine soooo lange Wurst schwamm im Wasser". Er zeigte es mit seinen Händen, die ganze Beiz wurde bleich. Nach der Schockstrarre fragte dann jemand "Und?". Pesche erzählte weiter. "Mein Vater wusste sich immer zu helfen, er hat das Teil mit seinem Sackmesser zerschnitten und danach ging es runter mit spülen". Himmelarschundzwirnunddasgibstdochgarnicht. Ich schob meinen Teller beiseite, das wars. Pesche fragte sofort, ob er den Rest noch essen dürfe, klar doch. Herrliche Geschichte. Hoffentlich hat Papa Pesche das Teil nicht auf der nächsten Wanderung zum Wurstschneiden gebraucht.

Egal. Pesche ist und bleibt so, einfach purer Kult. Wenn Ihr ihn im Stadion seht, dann offeriert ihm ein Bier, überzeugt Euch im Gespräch selber von seiner einmaligen Art. Ach ja, noch was: Er wäre auch ein Kandidat für das Guiness-Buch der Rekorde. Im Badezimmer, auf der Suche nach eingewachsenen Barthaaren, hat er sich mal 7 (!) Stunden eingeschlossen. Seine Freundin musste bei den Nachbarn klingeln gehen weil sie es nicht mehr verklemmen konnte. Er öffnete die Türe einfach nicht mehr wenn er denn mal an was dran war. Auch Kult.

Die Frisur - eine lebende Legende!

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