Google+ Hardboiled SCB: Biografie - Kapitel 4.1

Dienstag, 6. Mai 2014

Biografie - Kapitel 4.1

Wenn ein Pizza-Hut evakuiert werden muss

Nie am Fenster essen, hört ihr?!
Das war im Jahr 1989. Der SCB hatte in der Saison 1988/89 ja völlig überraschend das übermächtige Lugano vom Thron gestossen (Bilder dazu findet ihr im Nostalgie-Album). Als Belohnung winkte nun das Europacup-Turnier in Düsseldorf. In der Altjahreswoche. Uha. BG war mit einem eigenen Car logischerweise am Start. Die Cars setzten sich immer zusammen aus BG-Leuten, den Red Devils und unseren geliebten Oberländern. Die Sektion Interlaken hatte die gleichen Hobbies wie wir: trinken, leiern und SCB. Also rein in den Car! Die Red Devils waren ebenfalls auf dieser Wellenlänge, zudem waren sie allzeit bereit wenn es gröbere Probleme gab. Hust. So war es halt. 

Es war eine Kultfahrt. Die Stimmung natürlich hervorragend. In Düsseldorf angekommen wurden wir in ein Hotel einquartiert, über dieses Hotel wird es auch noch eine Story geben. Da Düsseldorf eine der genialsten Städte ist für Trink-Partys ist (unzählige Kneipen in der Altstadt, herrliches Altbier zum runtermähen, überall geiler Sound in den Spunten), sammelte man sich in den spielfreien Zeiten logischerweise dort, wo die Post abgeht. Bereits am Nachmittag sah man hunderte von lallenden SCB-Fans in der Altstadt, es waren Bilder die man niemals vergisst. Aber in Düsseldorf eckt  man mit dem nicht an, es kamen keine Kastenwagen die einem verhaften wollten. Nein, Düsseldorf toleriert freudig trinkende Jungs und Mädels. Das machte diese Stadt so speziell. Mir blieb speziell die "Auberge" und die "Zille" in Erinnerung, wirklich herrliche Spunten!

Oft stand man auch einfach auf der Gasse, man wurde sogar dort bedient, es war wie im Schlaraffenland. Genau vis-a-vis der "Auberge" befand sich ein Pizza-Hut. Der hatte eine grosse Fensterfront mit einer Ess-Bar, die Leute sassen also quasi mit bestem Blick auf uns beim Vertilgen ihrer 2000 kcal fester Nahrung. Wir bemerkten diese Leute aber gar nicht, weil wir klatsch waren wie Pappe. Ernährt haben wir uns mehrheitlich von Schweinebroten und Hot-Dogs, die es ebenfalls auf der Gasse zu kaufen gab.

Der grosse Auftritt hatte dann Bero. Er spürte den Alk wie alle, musste dann aber mal seine Blase leeren. In eine Beiz wollte er nicht, da er den Weg zu weit fand. OK, ist noch eine nachvollziehbare Überlegung. Ich persönlich hätte die Beiz gewählt, ich bin nicht Fan vom unkontrolliertem Gassenpinkeln. Aber Bero ist halt da anders gestrickt. Er latschte ab, suchte irgendwie eine Ecke, fand aber keine die ihm passte. Ich verlor ihn kurz aus den Augen, sah dann plötzlich wie im Pizza-Hut Tumulte ausbrachen. Leute hasteten von der verglasten Fensterfront weg, hielten ihren Kindern die Augen zu, liessen ihr Essen stehen. Ich fokussierte meine besoffenen Augen nun genauer. Innen die Panik und die Flucht, aussen - halt, das gibts doch nicht. Bero stand da, in der typischen "ich bin gerade am Pinkeln"-Stellung, leicht nach hinten gebeugt, er hatte sich als Örtchen die Fensterfront des Pizza-Hut's gewählt wo essende Leute einfach gerade mal 30 cm Distanz hatten mit freiem Blick auf sein tun. Was für ein herrlicher Skandal, als er abgeschüttelt hatte und alles wieder in den Hosen baumelte, war die Fensterfront aber sowas von leer, einfach ein paar Angestellte mit kindischen Pizza-Hut-Uniformen starrten entsetzt auf Bero. Der liess sich aber werder stören noch zeigte er Scham, absolut imponierend. Ein Vorbild für alle Gripen-Gegner!

Die Frage ist jetzt natürlich, warum die Leute so geflüchtet sind, denn eigentlich hat er ja was natürliches gemacht. War es seine Riesenschlange, die Panik verstreut hat? Seine Unterhosen aus Polyester? Ich rätsle noch heute an dem herum.

Lest im nächsten Kapitel: Wenn die Hotelparty alle lustig finden, nur das Hotel nicht (Bäregrabe)

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