Google+ Hardboiled SCB: Biografie - Kapitel 4

Montag, 5. Mai 2014

Biografie - Kapitel 4

Exzess, Absturz, geile Leute: Die Partys mit Bäregrabe (1990 - 2002)

Geiles Logo
Das Problem in dieser Zeit waren effektiv die Auswärtsspiele. Mit dem PW ödete etwas an, in den offiziellen Fan-Cars hatte es zwar auch gute Leute, aber man konnte die Arschkarte ziehen und einen ganz elenden Car erwischen. So sass ich zum Beispiel mal artig auf meinem Sitz, befummelte herzig Moge, trank ein Bier. Der Vordermann starrte mich plötzlich durch seine Hornbrille penetrant an. Ohne Worte. Das wiederholte er alle 5 Minuten. Am Anfang war es noch amüsant, danach erinnerte man sich an Filme wie „Psycho“ oder „Freitag der Dreizehnte“. Es gab dauernd solche Gnoms. Meine Freundin Moge war es dann, die mich in die schönste und schlimmste Absturz-Zeit einführte: durch einen Kollegen, genannt Hüsi, kriegte sie das Angebot, doch mal mit einem etwas anderen Fanclub mitzufahren. Es handelte sich um den eben erst gegründeten Kultfanclub „Bäregrabe“.

Also trudelten wir an diesem Samstag auf die Allmend. Und wirklich, ein Car stand da bereit. Top. Mein Näherkommen sah man geschäftige Leute, die alle damit beschäftigt waren, Bier-Harasse um Bier-Harasse in die Gepäck-Slots des Cars zu hebeln. Das war schon einmal ein sympathischer erster Eindruck. Dann wurden wir von Hüsi begrüsst, er sagte wir sollen doch einsteigen, er habe uns oben einen Sitz reserviert. Also, hoch im Doppelstöcker, mein Gott, wir brauchten fast 20 Minuten. Nicht weil uns alle begrüssten, nein, der Rauch war so dick dass man seine Hand nicht mehr vor den Genitalien sah. Alle pafften, alle waren bereits vor der Abfahrt am Saufen, es wurde immer sympathischer in diesem Car! Dazu dröhnte Heavy Metal aus den Boxen, es war wie im Paradies.

Auf der Fahrt lernte man dann die Jungs und Mädels kennen, man beschupperte sich quasi, ich war froh hatte Moge vorher noch geduscht. Es waren ausnahmslos gute Jungs und Mädels im Car, logo, sie waren alle aus hartem Holz geschnitzt, denn zartbesaitete Mitmenschen wären nach 300 Meter Carfahrt bereits eingegangen. Der Humor war derb, das Bier kalt, die Mitfahrer und Mitfahrerinnen willig – den Partys stand nichts mehr im Weg.

Diese Carfahrt löste bei mir geile Gefühle aus. Endlich unter Gleichgesinnten, endlich hatten alle den gleichen Humor, endlich soffen alle ziemlich tolle Mengen Bier, endlich hörten alle herrliche Gringhuddler-Musik. Die Party im Car war schlicht Weltklasse, am Match ging es so weiter, auf der Heimfahrt wurde das Ganze noch gesteigert. Diese Carfahrt brachte mich in den wildesten Fanclub ein. Ich lebte danach 12 Jahre mehr oder weniger nur noch mit SCB-Blut, alles andere im Leben war zweitrangig geworden. 12 Jahre lang Party, Exzesse und Abstürze, eine lange Zeit. Es war auch die Zeit, wo effektiv jedes Spiel Programm war, am Dienstag auf Davos, egal, abtrinken und am Mittwoch noch halb besoffen arbeiten gehen – Kult.

Skandale gab es pro Minute 5, es gäbe genug Geschichten um 500 Bücher zu füllen. Hier werden ein paar Geschichten kommen, in den nächsten Kapiteln. Es werden alles Geschichten sein, die ich selber als Augenzeuge erlebt habe oder als Hauptperson involviert war. Keine „habe gehört“-Geschichten. Als erste Einführung kriegt ihr hier zwei Kurzgeschichten, damit empfindliche Leute dann die nächsten Kapitel überspringen können wenn es sie schon ab dem fast überstellt.

Also, für mich einer der Burner war mal in Düsseldorf. Europacup. In dieser Trinkerstadt waren alle am Trinken, logo. Auch Oscu. Oscu wurde dann spitz, ist ja auch normal im Alk. Doch Oscu hatte seine Freundin dabei. Oscu hatte aber Lust auf anderes Fleisch. Ja das war etwas heikel. Doch Oscu war unglaublich cool, er ging an den Bahndamm zu Düsseldorf. Dort hat Damen die für Geld … ihr wisst schon. Seine Freundin hat das aber dann logischerweise mitgekriegt, konnte es aber nicht mehr verhindern. Ui ui ui, da war dicke Luft in der Spunte „Auberge“. Nach 60 Minuten kam Oscu mit roten Backen zurück. Seine Freundin stampfte wie ein Dampfkochtopf auf ihn zu, sie stelle ihn knallhart zur Rede und wir hörten alle zu. So geil. Sie sagte „Und??“. Ihr Fuss klopfte auf den Boden, die Arme seitlich in die Hüfte gestützt. „Wie war‘s? Hast Du wenigstens gut abgespritzt?“. Uha, dachten wir, was will er jetzt denn auf das antworten der Oscu, brutal. Doch Oscu blieb kuhl wie die kuhlste Kuh von Kuhlingen. Er antwortete: „Weiss nicht, hatte Gummi an.“. So baff war ich noch nie in meinem Leben. Auch seine Freundin nicht. Die stand dann ungefähr 3 Tage in einer Schockstarre. Als sie erwachte, hat sie sich mit Oscu versöhnt. Das ist eben noch wahre Liebe!

Abschliessen möchte ich noch mit dem Gotthard-Schmui. War ebenfalls Kult. Jedesmals wenn man in Richtung Afrika reiste, musste man ja durch diesen analartigen Tunnel fahren. Auf der Höhe Luzern fing dann ein emsiges Treiben an. Eine Doppelseite einer Zeitung wurde mit kiloweise Tabak und „noch sonst so Zeug gefüllt das einem Lachflash’s und so geben kann“. Das imposante Ding, ungefähr 5 kg schwer und 50 cm lang, wurde dann effektiv im Gotthard angezündet und eingeraucht. War das ein Geruch in dem Car, es war als hätte Bob Marley persönlich ausgeatmet. Auch wenn Du kein Kiffer warst, hattest Du einen Flash im Schädel ohne Ende. Aber so war BG – einer für alle, alle für einen.

Lest im nächsten Kapitel: Wenn ein Pizza-Hut evakuiert werden muss (Bäregrabe)

Hardboiled Archiv