Google+ Hardboiled SCB: Furzkopf der Woche - Die Amateur-Pyromanen am 1. August

Montag, 3. August 2015

Furzkopf der Woche - Die Amateur-Pyromanen am 1. August

Ja, unser Land ist ein stolzes Jahr älter geworden. Die alte Dame ächzt zwar ab und zu schon ein bisschen, aber im Grossen und Ganzen hat sich unsere Schweiz gut gehalten. Ein Grund, auch an diesem Jahr den 1. August zu feiern. Wie üblich passierte das mit unsäglich langweiligen Reden und offiziellen Feuerwerken. Das ist Tradition und wird von den Profis mehr oder weniger gut umgesetzt. Auch der normale Bürger will aber eifrig mitfeiern. Überall sind Grillpartys, in den Läden gibt es Weggli mit einer Fahne darauf und, das ist für viele das Wichtigste, überall kann man chinesische Feuerwerkskörper kaufen, damit man dem Gurten doch mal zeigen kann, wie auch Hans-Horst eine unheimliche Party mit Pyro machen kann.

Nur: es gibt Leute, die absolut auch bei diesem Vergnügen verantwortungsvoll und profihaft agieren. Amüsant und erschreckend waren aber all die unzähligen gedankenlosen Amateure, die, wenn man den Massstab im Sport anwendet (zünden von Pyro), eigentlich ein Leben lang vom 1. August weggesperrt werden sollten.

Das fängt damit an, dass am Nachmittag, wenn es heller ist als hell, die Kinder mit einem Rucksack weggeschickt werden, um die Damenfürze abzulassen. Selbstverständlich mit dem Hinweis "aber nicht hier zünden, geht mal da um die Ecke". Der Nachbar wird sich freuen. Aber egal. Wenn dann die Sonne verschwindet, kommt der grosse Auftritt der Hans-Hortis dieser Erde. Mit stolzer Brust marschieren sie auf die Zündstelle zu. Nun kommt die Show des Jahres, schliesslich hat er für 200 Franken Feuerwerk im Sack, gekauft im Coop Niederscherli.

Die ersten Zündungen klappen, allerdings ist der Pyro-Effekt so lächerlich, das mich die ausgegebene Kohle schmerzen würde. Wie ein Durchfallfurz zischt was in den Himmel und kracht nicht mal. OK, es wird sicher besser werden, denn nun folgen die grossen Bomber. Die Flasche steht auf dem Feld, die Abschussrampe ist bereit. Hans-Horst zündet, doch weil es leicht regnet oder aus einen anderen Grund geht das Ding nicht hoch. Ein Blindgänger. Kann es geben. Wir wissen: Warten, ist eine unangenehme Situation. Doch nicht für Hans-Horst. Imposant, wie die ganze (!) Familie nach 5 Sekunden gebückt über dem Blindgänger rumhalst. Ich bete, dass das Ding nicht plötzlich hochgeht. Hans-Horst hebelt nun an der Zündschnur rum, siehe da, das Teil zündet. Allerdings hatte Hans-Horst, weil es relativ rasch losging, noch seine Hand darunter, ich konnte die verbrannten Armhaare bis zu mir riechen. Wir wohl heute noch schmerzen. Egal.

Dann der nächste Abschuss, oha, die Zündschnur brennt, doch die Flasche reagiert ein bisschen und kippt 10 cm in die Schräge, macht doch nichts, das Ding fliegt knapp über die Köpfe der umstehenden Leute. Pures Glück dass niemand gegrillt am Boden lag. Auf die wütenden Rufe der geschockten Leute antwortet Hans-Horst souverän mit "tut nicht so blöd, es ist erster August". Danke Hans-Horst für den Hinweis. Als krönender Abschluss lässt dann sein Sohn, der Hans-Willfried, noch einen Luftheuler los. Papa gibt Feuer, doch der Muschi-Bub erschrickt und wirfst zu früh, der Luftheuler entwickelt sich zum Querschläger mit punktgenauer Landung in einem fremden Zimmer mit offenem Fenster. Klasse gemacht. Nach den anschliessenden Beleidigungen verzieht sich die Familie dann endlich in ihre schmucke 3-Zimmer-Wohnung, verscheucht dabei noch ein paar Buben, die vor ihrem Balkom zünden wollen.

Liebe Schweiz, erfinde was, das solche Hans-Horts nie mehr an solches Material kommen.


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